Oliver Susami, E-Book-Event 2014

Veröffentlicht: 02/05/2014 in Bewohner in Second Life, Kunst, Lesung
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Oliver Susami eröffnete mit seiner Lesung im Kafe Krümelkram das E-Book Event 2014. Vom 25. April bis 25. Mai 2014 stellen Autoren ihre Bücher vor. Organisiert wird dieses Event von den Brennenden Buchstaben.

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Kafe Krümelkram

Auf dem Programm stand eine Lesung von Oliver Susami aus seinem Buch „Vierter Stock Herbsthaus“. Doch statt uns sein aktuelles Buch vorzustellen, überraschte uns der Autor mit einer abgeschlossenen Kurzgeschichte. Es soll eine noch bißle Rohfassung einer Geschichte sein, die noch keinen Titel hätte.

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Warum hat diese Geschichte (noch) keinen Titel? Edgar Wallace schrieb „Der Henker von London“ und Oliver Susami könnte seine Geschichte „Der Hinker…“ nennen. Während Der Henker im Jahr 1963 entstand, spielt die Geschichte des Hinkers im Jahre 1986. Die DDR gab es zu dieser Zeit noch, ein Atomreaktor machte Schwierigkeiten, Bananarama war eine bekannte Band, Köppke las die Nachrichten vor und im Schweiße seines Angesichts renovierte ein Vater sein Häusle, wie es eigentlich nur im Schwabenländle stattfinden kann… Oliver Susami führte uns so in die Welt zweier Brüder von 8 und 9 Jahren, die in einem Dorf mit gerademal 800 Einwohner lebten. Im Dorfladen begegneten sie das erste mal dem Hinker, dessen wirklichen Namen wir nie kennenlernen werden. Der Hinker zog das linke Bein nach und sein Gang war schleppend, seine Atmung war laut und sein Sprechen war abgehackt… er soll behindert sein. Im weiteren Verlauf erfahren wir, wie die zwei Brüder, um zur Dorfjugend dazuzugehören, den Hinker hänselten…

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Zuhörer

Schnell zog mich die Geschichte in den Bann. Ich werde daran erinnert, dass Kinder nicht immer friedfertig sind und auch Erwachsene andersartige Mitmenschen ablehnen und ausgrenzen. Nach einem bösen Kinderstreich, indem sie den Hinker zu Fall brachten, war der Hinker plötzlich verschwunden. Zwei Wochen, nachdem der Hinker blutend auf dem Schotterweg gelegen hatte, veränderte sich das Leben der Brüder. Jochen begann jede freie Minute oben auf dem Balkon zu verbringen und starrte mit zusammengekniffenen Augen zu dem Haus, aus dem immer der Hinker kam. Der kleine Bruder wachte nachts erschrocken auf, als Jochen, der im oberen Stockbett schnell, rasselnd und ruckartig atmete. Dies wiederholte sich nun Nacht für Nacht und der Kleine hatte Angst, dass sein Bruder verrückt werden würde. Jochen beichtet nun endlich, dass er nachts, den Hinker die Leiter zu seinem Bett hochkommen sieht. Dann könne er sich nicht mehr bewegen und der Hinker setzt sich auf seinen Brustkorb, so dass er keine Luft mehr bekäme… Der Hinker war zwar aus der Stadt verschwunden, doch für die beiden Brüder, war er immer noch da… ganz besonders für Jochen…

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Lauscher

Es hörte sich für mich an, als ob Oliver Susami eine „wahre Geschichte“ erzählte, die er selbst erlebt hat. Von den beiden Brüdern, kenne ich glaub nur den Namen von Jochen, so wird der andere vielleicht Oliver heißen… Es soll die erste Lesung des Autors gewesen sein? Das kann ich nicht glauben, da muss ich wohl was mißverstanden haben. Sehr sehr angenehm war es, der Stimme von Oliver Susami zu lauschen und meinen eigenen Kopffilm beim Zuhören zu haben. Ich wurde in die mir vertrauten 80er katapultiert und traf neben beispielsweise der Gemeinheit von Kindern, der Weisheit und Ernsthaftigkeit eines Großvaters, das Schätzen von Cola auf ein ernsthaftes Thema „Behinderte“. Ich erlebte das Thema „Behinderte“ sehr häufig als Tabu-Thema, daher bin ich so was wie stolz darauf, dass Oliver Susami, Szenen mit Behinderten einfach und klar beschreibt und benennt. Ja, wenn Jemand sappert, der Speichel herunterläuft, dann findet man das eklig und darf es genau so benennen. Es schloss sich eine Diskussion an, die ja gerade nochmal so spannend war. Für mich ist „Der Hinker vom Dorf“ eine fesselnde schön lange Kurzgeschichte. Neben den für mich vom Autor realistisch „gezeichneten“ Situationen und der spannenden, gruseligen, geisterhaften Geschichte, war es diese Ehrlichkeit, Offenheit und kritisch wahrem Rückblick des Autors, die mich fast überraschten. Die Geschichte hat Echt- und Wertheit.

Ich wurde verwöhnt und bereichert an diesem Abend. Diese Lesung war einmalig und ich war dabei. Das E-Book-Event in Second Life geht noch bis zum 25. Mai 2014. Das Programm und die Urls findet ihr hier: http://kueperpunk2012.blogspot.de/p/e-book-event-2014.html.

Weitere Rückblicke zur Lesung von Oliver Susami in Second Life findet ihr hier:

Rasender Reporter BukTom: http://buktomblog.blogspot.de/2014/04/bb-e-book-event-2014-eroffnet-oliver.html

Natascha Randt Blog: http://aetherisavidi.wordpress.com/2014/04/26/die-geschichte-ohne-namen/

Hydorgol Blog: http://www.hydorgol.de/?p=1976

Noch mehr Bilders guggen?: https://www.facebook.com/clairediluna.chevalier/media_set?set=a.725207540854692.1073741870.100000963584707&type=1

Ich freu mich auf weitere Lesungen, gerne mit Oliver Susami

Claire

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Homepage Oliver Susami: http://www.oliversusami.de/

Hyodorgol’s Interview: http://www.hydorgol.de/?p=1895

Programm: http://kueperpunk2012.blogspot.de/p/e-book-event-2014.html

Brennende Buchstaben on Facebook: https://www.facebook.com/groups/BrennendeBuchstaben/

 

 

 

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Kommentare
  1. […] hat aber Claire eine sehr schönen Rückblick auf das Oliver Susami, E-Book-Event 2014. Ich war ja nicht dabei und freu mich daher umso mehr über diese ausführliche Schilderung. Danke […]

  2. olipennell sagt:

    Du hast das Event so toll geschildert, dass ich mich fast darüber hinweg getröstet sehe, dass ich nicht dabei war. Und dazu liest sich Deine Beschreibung noch so angenehm – ich genieß es richtig. Vielen Dank.

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